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Inklusive Kunstvermittlung für Kinder und Jugendliche, gemischte Schulklassen - Ein Spielfeld für gemeinsame Lernprozesse, Kreativität und künstlerische Strategien mit Jovana Komnenic und verschiedenen ExpertInnen und TeilnehmerInnen aus den Bereichen Museumspädagogik und Führung am 13.11. und 14.11.2015 im Alten Museum (Staatliche Museen)

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Eine unscheinbare Tür hinter der Ausstellungspräsentation bildet den Zugang zum Werkstattraum der MuseumspädagogInnen im Alten Museum. Dort begann der WS mit einer kurzen Einführung durch die Moderatorin Jovana Komnenic. Unter dem Titel Try walking in my shoes folgte dann eine praktische Übung: Ausgerüstet mit behindernden Hilfsmitteln wie Rollstühlen, Ohrstöpseln und Augenmasken konnten die TeilnehmerInnen allein oder in Gruppen die Wirkung verschiedener Einschränkungen bei der Ausstellungsrezeption im Selbstversuch testen. Bei der sich anschließenden Erfahrungsrunde berichteten die TN beispielsweise von der überraschenden Erfahrung, dass eine Hörbehinderung isolierend aber in Bezug auf die Ausstellungsrezeption auch konzentrationsfördernd wirken kann oder auch von  den Sichtproblemen auf Exponate und Schilder aus der Perspektive des Rollstuhlfahrers. Danach referierte Hannes Roever vom Integrationsprojekt e.V. über seine Herangehensweise bei der kreativen Lösung von alltäglichen Problemen des inklusiven Miteinanders und der Überwindung realer Barrieren.

Der Vormittag schloss mit einer weiteren Übung, bei der verschieden behinderte Mitglieder einer Gruppe kooperieren mussten, um gemeinsam eine Aufgabe zu lösen. Am Nachmittag des ersten Tages präsentierte die Moderatorin zunächst verschiedene best practice Beispiele zum Thema multisensoriale Kunstvermittlung, so etwa aus dem British Museum, bevor dann eine weitere Übung zur konkreten Auseinandersetzung mit der Antikensammlung einlud. Unter Anleitung verschiedener Übungsleiter versuchten die TeilnehmerInnen Zugänge über das Tasten, Hören und den Tanz zu finden.

Der zweite Workshoptag stand zunächst im Zeichen der Expertin Kirsten Broussard, einer Künstlerin und Kunstvermittlerin, die in New York und Berlin arbeitet. Frau Broussard schilderte vor Ort anhand zweier Objekte der Antikensammlung, wie sie mit Kindern mit Behinderungen arbeitet. Eine begrenzte Teilnehmerzahl spiegele sich auch in der Reduzierung der Kunstwerke wider: Drei bis vier Kunstwerke könnten in einer Stunde näher betrachtet werden. Vor der Führung sei es immer wichtig der Gruppe den Ablauf genau zu beschreiben: Ein Überblick über die einzelnen Stationen, die Länge der Führung und was die BesucherInnen sehen (und nicht sehen) werden, lasse viele BesucherInnen entspannter sein, als wenn sie überhaupt nicht wüssten, was sie erwartet.

Frau Broussard bemüht sich, Kindern, die sich nicht sprachlich äußern können, auf andere Art und Weise in die dialogische Führung einzubeziehen. Sie habe zum Beispiel gute Erfahrungen damit, Kindern verschiedene Bälle in die Hand zu geben: Mal stachelig und groß, mal weich und klein - die Beschäftigung der Kinderhände habe eine konzentrierende Wirkung. Mit Kostümen und anderen Requisiten würden neue Zugänge vor Objekten probiert, so könnten sich Kinder und Jugendliche beispielsweise in Statuen verwandeln oder ganz minimalistisch mit den Händen Gefühle darstellen: Wie könnte eine wütende, freudige oder traurige Hand aussehen? Rund um die Objekte gelte es, Themen zu finden, die an den Alltag der Zielgruppe anschlössen: z.B. Mode, Spiele, Kindheit, Material und Gestik. Für den kreativen Teil des Ausstellungsbesuches könnten beispielsweise sticky boards, benutzt werden: Ohne zu zeichnen, entstünden durch Aufkleben unterschiedlichster Materialien Bilder. Den TeilnehmerInnen aus der Museumspädagogik war ein Vorteil dieses Instruments sofort offensichtlich: Mit vorgefertigtem Material wie Figuren und Gegenständen aus Pappe und Moosgummi, lässt sich risikofrei und sicher sogar in der Ausstellung, also in der direkten Auseinandersetzung mit den Originalen arbeiten.

Im  zweiten Teil des Tages wurde es wieder sehr praktisch: Die TeilnehmerInnen teilten sich in Gruppen und suchten sich unter Anleitung der jeweiligen ExpertInnen ein Ausstellungsthema, welches möglichst über mehrere Sinne zugänglich, kooperativ und lebendig bearbeitet werden sollte. Themen waren zum Beispiel das Leben in der römischen Villa, Grabbeigaben oder die Statue eines römischen Imperators. Die in gemeinsamer Runde vorgestellten Ergebnisse fanden allgemeinen Beifall. Einige Ideen wurden zur baldigen Verwirklichung empfohlen. Im Nachklang des theoretischen Workshops entwickelten die MuseumsmitarbeiterInnnen Führungsformate, die in einer durch das Projekt veranlassten Schulkooperation ausprobiert werden konnten.

Text in Leichter Sprache

Kunst erklären für gemischte Schulklassen

Wo hat dieser Workshop stattgefunden?

Der Workshop hat im Alten Museum in Berlin stattgefunden
an 2 verschiedenen Tagen:
am 13. und 14. November 2015.

Wer hat bei diesem Workshop teilgenommen?

Am Workshop haben Personen teilgenommen,
die in den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten.
Diese Personen haben bei Ihrer Arbeit unterschiedliche Aufgaben:

  • Mitarbeiterin oder Mitarbeiter aus den Bildungs-Angeboten,
    zum Beispiel für Schulklassen
  • Führerin oder Führer durch die Ausstellung

Die Anleiterin des Workshops ist Jovana Komnenic.
Sie erklärt Kunst für blinde und sehende Personen.
Außerdem ist sie selbst als Künstlerin tätig.

Wie ist dieser Workshop abgelaufen?

Wie ist dieser Workshop abgelaufen?
Am 1. Tag beim Workshop haben die Teilnehmerinnen
und Teilnehmer einen Selbstversuch gemacht.
Sie haben ausprobiert, wie Personen mit verschiedenen Behinderungen einen Besuch im Museum erleben.
Dafür haben sie zum Beispiel:

  • Augen-Masken aufgesetzt,
    damit sie nichts mehr sehen können
  • Ohr-Stöpsel benutzt,
    damit sie nichts mehr hören können
  • Rollstühle benutzt und sich damit im Museum bewegt

Nach der Übung haben sie darüber gesprochen.
Dabei ist herausgekommen: Die Übung wirkt nicht bei allen gleich.
Zum Beispiel: Wenn man nichts hört,
kann man sich sehr allein fühlen.
Aber man kann sich vielleicht besser auf die Ausstellung konzentrieren.
Hannes Roever vom Verein Integrationsprojekt e.V. hat dann erklärt,
mit welchen guten Ideen man echte Hindernisse im Alltag überwindet.
Zum Beispiel haben Mitglieder des Vereins für eine Kanu-Freizeit
eine Vorrichtung gebaut.
Damit konnte ein Jugendlicher im Rollstuhl dann sicher
im Kanu mitfahren.

Am Nachmittag des 1. Tages hat Jovana Komnenic mit Beispielen erklärt,
wie man Kunst mit verschiedenen Sinnen gut verstehen kann.
In einer Übung haben alle dann ausprobiert,
Kunst-Werke mit Tasten, mit Hören und mit Tanzen zu verstehen.

Am 2. Tag des Workshops hat Kirsten Boussard darüber berichtet,
wie sie mit Kindern mit Behinderungen arbeitet.
Kirsten Boussard ist Kunst-Expertin und selbst Künstlerin und
kommt aus New York.
Sie hat am Beispiel von zwei Ausstellungs-Stücken praktisch gezeigt,
mit welchen Angeboten man Kinder mit Behinderungen
unterstützten kann.
Damit sie die Ausstellungs-Stücke besser verstehen können.
Zum Beispiel können die Kinder mit Hilfe von Kostümen
Ausstellungs-Stücke oder Bilder nachspielen.
Sie können als Figuren zum Beispiel verschiedene Gefühle darstellen.
Das funktioniert auch bei Kindern,
die nicht sprechen können.
Dabei ist es wichtig,
dass die Themen interessant sind für die Kinder.
Zum Beispiel Themen, die auch heute im Lebens-Alltag vorkommen:
Mode, Spiele oder Kindheit.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben dann
Arbeits-Gruppen gebildet.
Jede Arbeits-Gruppe hat ein Ausstellungs-Thema bearbeitet.
Und überlegt,
wie man dieses Ausstellungs-Thema
für Kinder interessant machen kann.
Zum Beispiel damit,
dass man das Thema über verschiedene Sinne erfahren kann.

Was war das Ergebnis dieser Workshop?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Methoden gelernt,
mit denen man Kunst für Kinder interessant und zugänglich macht.
Diese Methoden haben sie dann ein paar Wochen nach der Workshop praktisch ausprobiert:
Bei 2 Museums-Besuchen von Schul-Klassen
für Kinder mit und ohne Behinderungen.

MP3

Audiodatei zum Text - MP3 (4840 kB)

Audiodatei zum Original-Ton Workshop - MP3 (5640 kB)

Original-Ton: Teilnehmerinnen beschreiben ihre Eindrücke und Empfindungen aus der Teamübung die drei Affen (nicht sehen, nicht hören und nicht sprechen).

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PDF

Transkription zur Audiodatei Original-Ton PDF (182 kB)

Transkription zum Video Original-Ton PDF (191 kB)

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Fotos

Fotografien von Matthew Schoenfelder (Fotos 1 - 4)

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Video

Workshop im Alten Museum

Sie können das Video hier auch herunterladen (97 MB)

Tastaturbedienung
p = play, s = stop, v = 5 Sekunden vor, z = 5 Sekunden zurück, 1 = lauter, 2 = leiser

Ein Film von Sandra Merseburger

Achtung! Das zweite Video hat neue Hotkeys, Buchstaben für die Tastaturbedienung. i = play, a = stop, o = 5 Sekunden vor, u = 5 Sekunden zurück, 3 = lauter, 4 = leiser

Hörfilm - Workshop im Alten Museum

Sie können das Video hier auch herunterladen (160 MB)

Tastaturbedienung
i = play, a = stop, o = 5 Sekunden vor, u = 5 Sekunden zurück, 3 = lauter, 4 = leiser

Hörfilmfassung des Films von Sandra Merseburger. Der zusätzliche Sprecherton ist mit Schwarzfilm unterlegt.

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